Kultur
Das Theater Bielefeld stellt Spielplan 2026/27 vor
„WageMut“
GDN -
Angesichts der Unsicherheiten und Krisen unserer Zeit, die zeitweilig Gefühle von Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit hervorrufen können, hat das Theater Bielefeld bewusst ein zuversichtliches Motto für die kommende Spielzeit gewählt: „WageMut“. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde das vielfältige Programm für die Saison 2026/27 vorgestellt.
»Die Zeit ist aus den Fugen« – ein geflügelter Satz, mit dem Shakespeares dänischer
Prinz Hamlet seit nunmehr über 400 Jahren in verschiedensten Inszenierungen eine
immer wieder neue Gegenwart reflektiert. Ein Satz, der auch im Hier und Jetzt
erschreckend aktuell klingt. Angesichts ökonomischer Unsicherheiten, ökologischer
Krisen, politischer Polarisierungen, globaler Kriegsherde und technologischer
Beschleunigung verwundert es nicht, dass man sich zeitweise ohnmächtig fühlt und
den Mut verliert. Das Theater Bielefeld hat für die Spielzeit 2026/27 ein Motto gewählt,
dass diesem Zustand etwas entgegensetzen möchte: WageMut.
Prinz Hamlet seit nunmehr über 400 Jahren in verschiedensten Inszenierungen eine
immer wieder neue Gegenwart reflektiert. Ein Satz, der auch im Hier und Jetzt
erschreckend aktuell klingt. Angesichts ökonomischer Unsicherheiten, ökologischer
Krisen, politischer Polarisierungen, globaler Kriegsherde und technologischer
Beschleunigung verwundert es nicht, dass man sich zeitweise ohnmächtig fühlt und
den Mut verliert. Das Theater Bielefeld hat für die Spielzeit 2026/27 ein Motto gewählt,
dass diesem Zustand etwas entgegensetzen möchte: WageMut.
Denn Theater bietet genau den richtigen Raum, um den Zauber von WageMut wieder
erleben zu können. Nicht als Ort einer moralischen Instanz, sondern als Resonanzraum,
in dem spielerisch und spartendurchlässig Geschichten auf Körper, Gedanken auf
Gefühle treffen und Gesellschaft auf sich selbst trifft. Theatermachen bedeutet, sich
immer wieder wagemutig auszusetzen, Kritik zu ertragen, sie anzunehmen und daraus
Neues entstehen zu lassen, sich der Komplexität unserer Gegenwart zu stellen, ohne
sie zu vereinfachen.
erleben zu können. Nicht als Ort einer moralischen Instanz, sondern als Resonanzraum,
in dem spielerisch und spartendurchlässig Geschichten auf Körper, Gedanken auf
Gefühle treffen und Gesellschaft auf sich selbst trifft. Theatermachen bedeutet, sich
immer wieder wagemutig auszusetzen, Kritik zu ertragen, sie anzunehmen und daraus
Neues entstehen zu lassen, sich der Komplexität unserer Gegenwart zu stellen, ohne
sie zu vereinfachen.
Theatermachen bedeutet aber auch, groß träumen zu dürfen – davon, was man
gemeinsam erschaffen kann, auf der Bühne wie im »wahren Leben«. Denn auch im
Alltag braucht es Mut: Mut zur Empathie, Mut zur Hoffnung, Mut zur Liebe, Mut zum
Leben selbst. Und Mut, sich anstecken zu lassen, sich nicht in der Passivität zu
verstecken, seine Stimme klar erklingen zu lassen. Und letztlich braucht es auch den
WageMut, wiederum andere zu ermutigen. Denn Mut ist vor allem eins: ansteckend
und aufregend.
gemeinsam erschaffen kann, auf der Bühne wie im »wahren Leben«. Denn auch im
Alltag braucht es Mut: Mut zur Empathie, Mut zur Hoffnung, Mut zur Liebe, Mut zum
Leben selbst. Und Mut, sich anstecken zu lassen, sich nicht in der Passivität zu
verstecken, seine Stimme klar erklingen zu lassen. Und letztlich braucht es auch den
WageMut, wiederum andere zu ermutigen. Denn Mut ist vor allem eins: ansteckend
und aufregend.
Die Premieren der Spielzeit 2026/27
Der Musiktheater-Spielplan setzt sowohl auf zeitgenössische und überraschendeWerke als auch auf die großen und bekannten Opernstoffe. Zu Letzteren gehören
zweifelsfrei Mozarts wunderlich-geniale Zauberflöte und Puccinis leidenschaftliche und
hochdramatische Tosca. Auch Shakespeares unverwüstliche Liebeskomödie Ein
Sommernachtstraum, die sich Benjamin Britten zur Vorlage nahm, um eine seiner
schönsten Opern zur komponieren, erfreut sich großer Bekannt- und Beliebtheit.
Ein neueres Werk kommt aus der Feder von Vivan und Ketan Bhatti, den Komponisten von Berlin Alexanderplatz, das 2020 am Theater Bielefeld uraufgeführt wurde: In Der rote Wal entsteht vor dem Hintergrund der RAF-Geschichte eine Collage aus Vergangenheit, Gesellschaftstheorie, Märchen und Zeitgeschehen. Auch in der Musik verschmelzen Hip-Hop, Jazz, Musical, Filmmusik und zeitgenössisches Musiktheater.
Zudem kommt mit Die Tiefe des Raumes von Moritz Eggert ein Fußballoratorium als Lichtspieloper auf die Bühne der Rudolf-Oetker-Halle – mit Blick auf die »Alm«. Stimmungs- und humorvoll gefasst, lässt das Werk für Soli, Chor und großes Orchester Fußball- wie Musikfans gleichermaßen mitfiebern.
Lange vor der #metoo-Debatte schrieb William Ward Murta, seit 1984 am Theater Bielefeld tätig, mit The Birds of Alfred Hitchcock ein Musical über Machtmissbrauch im Filmbetrieb. Auf der einen Seite die künstlerische Finesse des Films, auf der anderen Seite Angebote, Abhängigkeiten und Aufmerksamkeiten, die zunehmend übergriffigen Charakter gewinnen. The Birds of Alfred Hitchcock feierte seine bejubelte Uraufführung im September 2010 am Theater Bielefeld und kommt nun in einer überarbeiteten Fassung und in komplett neuer Inszenierung wieder auf die Bühne.
Lange vor der #metoo-Debatte schrieb William Ward Murta, seit 1984 am Theater Bielefeld tätig, mit The Birds of Alfred Hitchcock ein Musical über Machtmissbrauch im Filmbetrieb. Auf der einen Seite die künstlerische Finesse des Films, auf der anderen Seite Angebote, Abhängigkeiten und Aufmerksamkeiten, die zunehmend übergriffigen Charakter gewinnen. The Birds of Alfred Hitchcock feierte seine bejubelte Uraufführung im September 2010 am Theater Bielefeld und kommt nun in einer überarbeiteten Fassung und in komplett neuer Inszenierung wieder auf die Bühne.
Auch eine Familienoper ist in der nächsten Spielzeit wieder im Programm: Pierangelo Valtinonis Der kleine Prinz folgt auf seine Oper Alice im Wunderland, die unlängst viele Bielefelder Herzen bezaubert hat. Für die ganze Familie eignet sich auch die spartenübergreifende Produktion Krabat. Mit Livemusik und Gesang entsteht ein mythisch-magisches Bühnenspektakel.
Zum Auftakt ihrer künstlerischen Leitung von TANZ Bielefeld überarbeitet die Choreografin Ella Rothschild ihr Werk Summer Snow, ursprünglich 2021 für die Batsheva Dance Company entwickelt, für das Bielefelder Ensemble. Surrealistische Szenen verweben die Geschichte einer Figur mit den Geschichten anderer und formen eine Welt zwischen Alltagsroutine und Katastrophe, Einsamkeit und Gruppendynamik, Fülle und Leere. Als multidimensionales Kunstprojekt verbindet Summer Snow die Tanzperformance mit dem Sketchbook A Year Without Summer mit Zeichnungen von Ella Rothschild sowie dem interaktiven digitalen Raum On the Edge of Nowhere, in dem Videos und Soundscapes die Welt des Stücks erweitern.
Die zweite Tanzproduktion ist eine Arbeit des Choreografen Ohad Naharin. Nach Jahren ohne Aufführung bringt er Mamootot mit dem Ensemble von TANZ Bielefeld zurück auf die Bühne. Vom Publikum umschlossen bewegen sich die Tänzer*innen im intimen Setting des TOR 6 Theaterhauses. Ohad Naharin hat das Stück 2003 für und mit seine/r Batsheva Dance Company geschaffen und hinterfragt darin unsere Vorstellungen von Gemeinschaft, Timing, Humor und Sexualität.
Mit Milk Teeth, dem dritten großen Tanzabend der kommenden Spielzeit, entwickelt Ella Rothschild ihre spartenübergreifenden Kammerballette weiter, die sie 2022–24 in Kopenhagen zu Franz Schuberts Musik kreierte. Live begleitet von den Bielefelder Philharmonikern und mit Operngesang von Tomas Kildišius verflechten sich Bewegung, Musik und Raum.
Ergänzt wird das Programm durch ein Tanzgastspiel im Februar und die Solo-Performance Flood von Ella Rothschild und Nivi Alroy, die den Tanz direkt in den Stadtraum von Bielefeld bringen möchte. Flood soll an verschiedenen Orten in Zusammenarbeit mit Bielefelder Institutionen stattfinden und abwechselnd von Ensembletänzer*innen von TANZ Bielefeld getanzt werden.
Mit Milk Teeth, dem dritten großen Tanzabend der kommenden Spielzeit, entwickelt Ella Rothschild ihre spartenübergreifenden Kammerballette weiter, die sie 2022–24 in Kopenhagen zu Franz Schuberts Musik kreierte. Live begleitet von den Bielefelder Philharmonikern und mit Operngesang von Tomas Kildišius verflechten sich Bewegung, Musik und Raum.
Ergänzt wird das Programm durch ein Tanzgastspiel im Februar und die Solo-Performance Flood von Ella Rothschild und Nivi Alroy, die den Tanz direkt in den Stadtraum von Bielefeld bringen möchte. Flood soll an verschiedenen Orten in Zusammenarbeit mit Bielefelder Institutionen stattfinden und abwechselnd von Ensembletänzer*innen von TANZ Bielefeld getanzt werden.
Die Schauspiel-Sparte startet mit Shakespeares Hamlet im Stadttheater in die kommende Spielzeit. Als politischer Thriller, Familientragödie und philosophische Versuchsanordnung über Lügen, Intrigen und Machtmissbrauch überdauerte dieser zeitlose Klassiker der Theatergeschichte Jahrhunderte. Auch gegenwärtig stellt sich die Frage: Was passiert, wenn uns die Welt, wie wir sie kennen, abhanden zu kommen scheint und was können wir diesem Verlust entgegenbringen?
Gleichermaßen Gruselgeschichte und Komödie ist Die Legende von Sleepy Hollow, die zum Auftakt im Theater am Alten Markt zu sehen ist. Im Auftrag des Theaters Bielefeld holen die Autoren Kristof Magnusson und Gunnar Klack Maxim Gorkis Klassiker Sommergäste ins Heute. In ihrer modernen Überschreibung entstauben sie nicht nur Gorkis Text, sondern überprüfen auch, ob diese intellektuelle, bürgerliche Schicht, deren Leben zwischen Entfremdung und Zukunftsangst zum Stillstand gekommen ist, auch im Hier und Jetzt zu finden ist.
Um den patriarchalen Strukturen in vielen tradierten Werken eine weibliche Perspektive entgegenzusetzen, sind in der kommenden Spielzeit einige Stücke im Spielplan, die sich mit den Lebensrealitäten von Frauen auseinandersetzen. Dazu zählt Amanda Lasker-Berlins Madonnen genauso wie Ibsens Nora. Eine Uraufführung steuert die Autorin Anne Jelena Schulte bei, die sich für WOM*EN auf die Spuren des Feminismus in Bielefeld begibt.
Eine weitere Recherchearbeit wird ein Abend über jüdische Biografien aus Bielefeld von 1933 bis in unsere Gegenwart. Das Theater möchte sowohl einen Einblick in die Vielfalt des damaligen als auch des aktuellen jüdischen Lebens geben, indem heute in Bielefeld lebende jüdische Bürger*innen nach ihrer Geschichte und Lebenssituation befragt werden.
Eine weitere Recherchearbeit wird ein Abend über jüdische Biografien aus Bielefeld von 1933 bis in unsere Gegenwart. Das Theater möchte sowohl einen Einblick in die Vielfalt des damaligen als auch des aktuellen jüdischen Lebens geben, indem heute in Bielefeld lebende jüdische Bürger*innen nach ihrer Geschichte und Lebenssituation befragt werden.
»Einer der schönsten Romane des Jahres«, schrieb Stefan Kister 2025 in der Stuttgarter Zeitung und meinte Und Federn überall der Bachmann-Preisträgerin Nava Ebrahimi. Motive wie wirtschaftliche Not, Flucht, Einsamkeit, selbst erdichtetes und fremd aufgezwungenes Leben werden kunstvoll – mit feinem Gespür für Tragik und Humor – verwoben. Attacken auf die Lachmuskeln garantieren vor allem zwei Komödien: Geheimnisse von Sébastien Blanc ist ein rasant-unterhaltsames Kammerspiel, welches das Genre der Verwechslungskomödie erfrischend neu interpretiert. Und Komödie mit Banküberfall von den Autoren des britischen Mischief Theatre verspricht herrlich überdrehten Slapstick, akrobatische Einlagen und spektakuläre Bühnenverwandlungen.
Als Jugendstück wird Der Ruf der Wildnis nach Jack London zu sehen sein. Eine weitere Produktion auch für junges Publikum ist Die Brücke von Mostar, eine Coming-of-Age-Geschichte von Igor Memic, die vor dem Hintergrund des Bosnienkrieges spielt. Und als Familienstück zur Weihnachtszeit zeigt das Theater Bielefeld Das letzte Einhorn – ein zeitloses und magisches Fantasy-Meisterwerk.
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